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igogo Lexikon

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Begriffe: "Therapeutisches Reiten" und "Reittherapie"

Es gibt weltweit Hunderte von Instituten, die Reittherapien anbieten. Dabei ist der Begriff "Reittherapie" oder "therapeutisches Reiten" keineswegs genormt. Unter diesem Namen wird ein ganzes Spektrum von Therapien verstanden, die mit Pferden zusammenhängen. Trotzdem gibt es Streit um den einzig wahren und richtigen Begriff für praktisch ein und dieselbe Sache. Das geht so weit, dass "Reittherapie" als ein von "Laien fälschlicherweise gebrauchter Begriff" bezeichnet wird und "Therapeutisches Reiten" als das allein selig machende. Dazu die Erklärung eines befreundeten Germanisten, die es wohl am besten trifft: Das Adjektiv bezeichnet immer das "Wie", deshalb wird es in der Grundschule auch das "Wiewort" genannt und das Substantiv bezeichnet das "Wer" oder "Was". "Therapeutisches Reiten" bezeichnet also die Art wie geritten wird und "Reittherapie" die Therapieform. Die Frage ist also, ob man die Therapieform bezeichnen will oder das, was innerhalb der Therapie stattfindet. Letztlich beschreibt beides ein und dieselbe Sache und kann je nach Geschmack verwendet werden.

Berufsfelder der Reittherapie

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Beziehung zum Pferd

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Definition und Formen der Reittherapie

Unter dem Oberbegriff "Reittherapie" und "Therapeutisches Reiten" tummeln sich eine ganze Anzahl verschiedener Therapieformen. Dazu gehören, das heilpädagogisches Reiten und heilpädagogisches Voltigieren für verhaltensauffällige Kinder und die Hippotherapie, als Form der Krankengymnastik. Dagegen ist "Behindertenreiten" eine Sportart und keine Therapie.

Die Reittherapie umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, medizinische (Rehabilitation) und sozial-integrative Maßnahmen, die über das Medium Pferd umgesetzt werden. Zielgruppe sind Kinder, Jugendliche oder Erwachsenen mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen. Im Mittelpunkt des therapeutischen Reitens steht die Entwicklungsförderung. Reiterliche Fähigkeiten sind eher nebensächlich.

Funktionsweise der Reittherapie

Eine wissenschaftliche Studie zur Wirkungsweise der Reittherapie gibt es noch nicht, wohl aber zu anderen Therapieformen an denen Tiere beteiligt sind, wie zum Beispiel bei der Delfintherapie. Die Erkenntnisse aus diesen Studien halten wir für durchaus übertragbar auf die Reittherapie. Eine Theorie von einem der führenden Wissenschaftler in Sachen Delfintherapie Dr. David E. Nathanson geht von folgenden neurologischen Annahmen aus:

Das Gehirn des Menschen besteht aus einer linken und einer rechten Gehirnhälfte. Die linke Seite kontrolliert das Lesen, die Wahrnehmung und die Sprache (also alles, was mit dem Verstand zu tun hat). Sie ist auch für die Motorik des Körpers verantwortlich. Die rechte Seite erzeugt Emotionen, Vorstellungskraft und die Kreativität. Die meisten der Patienten, die zur Reittherapie kommen, haben Störungen in der linken Gehirnhälfte.

Das Problem bei gehirngeschädigten Kindern ist nun, dass die Botschaften des Körpers nicht von der einen Gehirnhälfte zur anderen geleitet werden. Die "Brücke" fehlt. Die Reittherapie versucht, die rechte Gehirnhälfte zu aktivieren, um die linke zu erreichen. Man nutzt dazu die Gefühle des Patienten, wie Freude und Spaß (rechte Gehirnhälfte). Mit Hilfe der natürlichen Stimulanzien wird der Patient über die rechte Gehirnhälfte motiviert. Die rechte Gehirnhälfte gibt dann die Botschaft an die linke weiter. Die "Blockade" im Gehirn wird ganz oder teilweise aufgelöst.

Physisch reagiert der Patient auf das Pferd als solches und auf die dreidimensionalen Schwingungen des Pferderückens. Es kommt zur Rotation, Lateralflexion und zu Extensions-/ Flexionsbewegung im Becken; Bewegungen, die auch beim normalen Gehen im Rumpf auftreten. Auch andere Impulse können ausgenutzt werden, zum Beispiel Tempo-Variationen, gebogene Linien, Seitengänge und Schritt-Halt. Auf diese Impulse hin kommt, es zur Normalisierung des Muskeltonus zur Förderung der Rumpf- und Kopfkontrolle, zu einer Verbesserung des Gleichgewichts und zur Schulung des Bewegungsgefühls.

Geschichte der Reittherapie

Die Idee, Tiere bei der Behandlung von Geisteskrankheiten wie Autismus, Down Syndrom oder Hydrocephalie einzusetzen, geht auf die Arbeit des New Yorker Psychiaters Dr. Boris Levinson zurück. Er stellte in den 60er Jahren fest, dass sich der Kontakt zu den Patienten und deren Konzentration wesentlich verbesserte, wenn während der Therapie ein Haustier wie Hund oder Katze eingesetzt wurde. Inzwischen ist die Behandlung von Krankheiten mit Hilfe von Tieren unter der Bezeichnung Tier- oder Zootherapie ein anerkannter Zweig der Heilkunde.

Gegen Ende der 70er Jahre entstand die Vermutung, Delfine besäßen eine außergewöhnlich heilsame Wirkung auf neurologisch geschädigte Menschen. Um dies zu untersuchen, leitete die Anthropologin und Erziehungswissenschaftlerin Dr. Betsy Smith von Dezember 1978 bis August 1979 ein Forschungsprogramm im Womteco Miami Seaquarium. Smith hoffte, mit Hilfe der Delfine autistische Kinder dazu zu bewegen, sich zumindest wieder ein wenig der Welt zu öffnen. Am Ende des sechswöchigen Programms konnte Betsy Smith feststellen, dass die Konzentrationsdauer von 5 bis 10 Minuten auf bis zu einer Stunde gestiegen war und die Kinder anscheinend glücklicher als zuvor waren. Sie hatte den Eindruck, einen positiven Zugang zur stillen Innenwelt der Kinder gefunden zu haben.

Eine ähnliche Pilotstudie führte der Universitätsprofessor und praktizierende Psychologe Dr. David E. Nathanson in Oceanworld in Fort Lauderdale (Florida / USA) von 1978 bis 1980 mit Kindern durch, die am Down Syndrom litten. Grundlage des Therapiekonzepts von Natherson ist, dass der Kontakt mit den Delfinen als eine Art Belohnung für die Mitarbeit der Patienten eingesetzt wird. Die Kinder konzentrieren sich auf das, was sie tun sollen, um die Belohnung einzuheimsen. Das ist ein ganz einfaches Programm zur Verhaltensänderung, aber es funktioniert wunderbar, wenn die Belohung für die Kinder bedeutsam genug ist, und das ist die Interaktion mit den Delfinen. Die Kinder entspannen sich, konzentrieren sich besser und lernen schneller.

Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass mit diesem Ansatz einige bemerkenswerte Erfolge erzielt werden konnten und dass dieselbe Art der Therapie auch mit Pferden funktioniert. In heutiger Zeit werden Menschen mit verschiedenen Erkrankungen und Behinderungen behandelt. Pferde und Delfine helfen Menschen mit schweren Depressionen, einen Ausweg zu finden oder schwer lerngestörte Menschen steigern ihre Fähigkeit zum Sprechen und Lesen. Körperlich behinderte Personen gewinnen größere Beweglichkeit und Krebspatienten bauen Stress ab.

Heilpädagogisches Reiten

Durch die Arbeit mit dem Medium Pferd und beim Reiten an sich, wird der Mensch ganzheitlich und über alle Sinne angesprochen. Er wird körperlich, emotional, geistig und sozial gefordert. Die Beziehung zum Pferd spielt im Heilpädagogischen Reiten die tragende Rolle. Der Reittherapeut fördert im Beziehungsdreieck Klient-Pferd-Reittherapeut den konstruktiven Umgang miteinander. Lern-Erfahrungen können auf die Gruppe übertragen und geübt werden. Persönliche und soziale Entwicklung sind das Ziel.

Die Umsetzung erfolgt durch den direkten Kontakt und Umgang mit dem Pferd, das Pflegen des Pferdes, Übungen am und auf dem geführten Pferd, Arbeit im Stall, mit einem Menschen oder in Gruppenarbeit, für Fortgeschrittene beim Reiten und bei Projekten - Reiterspiele, Geländereiten, Wanderreiten.

Heilpädagogisches Voltigieren

Auf dem an der Hand oder an der Longe geführten Pferd werden gymnastische Übungen und Geschicklichkeitsspiele ausgeführt das Voltigieren. Der Bewegungsrhythmus des Pferdes hat eine lockernde, ausgleichende und angstlösende Wirkung, gleichzeitig spricht er auf vielfältige Art und Weise die Wahrnehmung des Reiters an. Durch individuelle Therapieplanung können die individuellen Problematiken gezielt und auf die Anforderungen der jeweiligen Behinderung oder Störung abgestimmt werden.

Hippologie

Heute befasst sich die Wissenschaft vom Pferd unter anderem mit der Entstehungsgeschichte der Arten der Gattung Einhufer und der Hauspferderassen (zum Beispiel Archäologie, Genanalysen), ihrem Gebäude/Exterieur (zum Beispiel röntgenologische Studien) und ihrem natürlichen Verhalten (Freilandforschung), immer auch mit dem Ziel dadurch Rückschlüsse zu gewinnen zum praktischen Verständnis des Hauspferds, seines Gebäudes, medizinischer Probleme oder Probleme beim Reiten, seines Verhaltens, und seiner optimalen Haltung durch den Menschen. Auch die Kulturgeschichte des Reitens und die Nutzung des Pferdes durch den Menschen und die kulturgeschichtliche Beziehung Mensch-Pferd wurden durchleuchtet. Pferdewissenschaft wird seit 2006 auch als Masterstudiengang in der Hochschulausbildung angeboten. (Quelle: Wikipedia)

Hippotherapie

Die Hippotherapie setzt Pferde zur Physiotherapie ein. Dabei sitzt der Patient in der Gangart Schritt auf dem Pferderücken. Bewegungsimpulse des Pferdes werden auf Becken und Wirbelsäule des Menschen zu übertragen. Der gesamte Bewegungsapparat muss sich neu einpendeln. So könnten zum Beispiel halbseitig gelähmte Menschen ein Gefühl für ihre Körpermitte entwickeln. Zugleich wird die Muskelspannung positiv beeinflusst, schlaffe Muskeln spannen sich an, spastische, also zu stark gespannte Muskulatur hingegen gibt nach. Dadurch wird die gesamte Haltung vor allem des Oberkörpers geschult und das Balancegefühl verbessert.

Nicht angewendet werden soll die Hippotherapie, bei Entzündungen der Wirbelsäule, medikamentös nicht gut eingestellten Anfallsleiden, aktivem Schub Multipler Sklerose, Gefahr von Thrombosen oder Embolien, Bluterkrankheit oder Pferdehaar-Allergie.

Physiotherapeuten die Hippotherapie anbieten wollen, müssen hierzu eine reittherapeutische Zusatzqualifikation erwerben oder mit einem Reittherapeuten zusammenarbeiten.

Medizinische Aspekte

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Pädagogische Aspekte

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Psychologische Aspekte

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Psychotherapeutische Aspekte

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Sozial-integrative Aspekte

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Therapeutische Arbeit mit Pferden

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Therapiepferd

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Umgang mit den Therapiepferd

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igogo · Reitherapie & Lehrinstitut · Petra Meisel · E-Mail: info(at)igogo.de
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